21 Okt
Dritte gewinnt auch ohne Torwart
Was kann Darius Förster eigentlich nicht?
29 Okt
SV Anzing III - HC Inntal 36:18
Dritte bringt aufstrebenden Neuling auf den Boden der Tatsachen
Ein Blick auf die Website des 2024 (Anm. d. Red: oder auch 2025, beide Jahreszahlen sind dort zu finden) neu gegründeten Handballclubs Inntal lässt vermuten, dass es die Herren 3 des SV Anzing am vergangenen Sonntag mit einem richtig großen Brocken zu tun bekamen: „Unsere Mission ist es, durch kontinuierliche Leistung und Teamgeist die Spitze des Handballs zu erklimmen“ liest man ganz oben auf der Seite. Man strebe „eine neue Ära des Handballs im Inntal“ an und möchte mit „sportlicher Exzellenz […] die Zukunft des Handballs in der Region“ aufbauen. So mancher interessierte Fan der Bezirksliga 2 in Oberbayern, oder auch gerne die „Landstaffel“ genannt, wunderte sich schon, dass die Mannschaft, die mit Superlativen nicht gerade sparsam umzugehen scheint, mit lediglich 3:3 Punkten in die Löwenhöhle anreiste. Auf dem Papier ist der Aufsteiger, der überwiegend aus ehemaligen Spielern des ESV Rosenheim besteht, in der vergangenen Saison verlustpunktfrei durch die Bezirksklasse marschiert (Anm. d. Red.: Jene Bezirksklasse bestand aus drei Teams außer Konkurrenz, zwei zurückgezogenen Teams und somit vier gewerteten Mannschaften, wovon mit Inntal und Raubling dieses Jahr zwei in der Bezirksliga antreten). Da man sich in der Vergangenheit bereits einige harte Duelle mit Rosenheim lieferte, wollte man das Team definitiv nicht unterschätzen. Im Bericht zum letzten Spiel gegen Prien wurde sie sogar als „eine der besten Mannschaften, die Rosenheim je hatte, wenn nicht die beste“ bezeichnet. Die Dritte, die im Vergleich zum deutlichen Sieg gegen den Mitaufsteiger Raubling in der vergangenen Woche auf ihr „Torhüter“-Duo Darius Förster und Tobias Köglmeier verzichten musste, aber Nikolaus Jordan zurück im Kader begrüßte, war so oder so gespannt, was sie an diesem Sonntagabend erwartete.
Jener Nikolaus Jordan war es auch, der den Inntalern zu Beginn schnell die Euphorie nahm. Er erzielte in den ersten vier Minuten drei Tore für seine Anzinger, während Robin „Katze“ Schmid im Tor gemeinsam mit seinen Vorderleuten keinen Ball durchließ. Nach dem 3:1 und mehr Fokus der gegnerischen Deckung auf NJ23 spielte dieser einfach dreimal in Folge seinen Kapitän am Kreis, Willi „Felix“ Wörner, frei, der auf 6:1 stellte. Schmid musste zwar noch einen Strafwurf passieren lassen, ansonsten hielt er seinen Kasten überragend sauber, während vorne nun auch Dauershooter Jonas May seine ersten Tore erzielte. Die Gäste-Auszeit beim 7:2 brachte wenig Veränderung, denn Anzings wahre Liebe spielte, getragen von ihrem Keeper „Leo“ Schmid, wie im Rausch und setzte sich auf 10:2 ab. Hier erinnerte sich die Anzinger Mannschaft wohl an ein weiteres Zitat des letzten Spielberichts: „Aktuell ist ein bisschen Sand im Getriebe, aber sobald die Mannschaft ins Rollen kommt, wird es schwer sein, sie zu stoppen.“ sagte der Trainer nach der Niederlage gegen Prien. Ein kurzes Aufflackern der Qualitäten bekamen die Zuschauer in der Folge zu sehen, da die Rot-Schwarzen im Angriff unkonzentrierter wurden und in der Defensive die ein oder andere Nachlässigkeit einstreuten. Beim Stand von 12:7 musste Löwendompteur Hasi „Dominik“ Langer seine Auszeit einsetzen, um seine Mannen wieder ein wenig zu sortieren. In den Folgeminuten ging es hin und her, bis es kurz darauf zu einem großen Schreckmoment kam. Nach einer weiteren Parade der Katze von Anzing sprang der Linksaußen des HC Inntal zum Abpraller in den Kreis hinein und dabei dem herauslaufenden Robin Schmid frontal in die Beine. Der bis dato überragende Keeper musste intensiv behandelt werden und war für das restliche Spiel nicht mehr einsatzfähig. Von dem Schock sichtlich mitgenommen mussten sich die Anzinger erstmal erholen. Bis zur Halbzeit kamen die Gäste auf 15:12 heran.
In der Kabine besann man sich auf seine eigenen Stärken und erinnerte daran, dass man den Gegner über weite Strecken der ersten Hälfte im Griff hatte. Voller Motivation, die Punkte für ihren verletzten Hüter zuhause zu behalten, starteten die Rossoneri ähnlich furios wie zu Beginn auch in den zweiten Durchgang. Scheinbar hatte Nick Jordan noch etwas Sand aus dem heimischen Sandkasten in den Hosentaschen dabei, denn seine Anzinger ließen erst gar nicht mehr zu, dass die Inntaler ihren Motor überhaupt starteten. Offensiv hatten die Rosenheimer gar kein Mittel gegen die Löwenreservereserve, die nun sogar ihre Außen mit ins Spiel brachte. Auf der anderen Seite nahm sich Paul „Felix“ Mögel ein Beispiel an seinem jüngeren Kollegen und sorgte mit seinen Paraden für Verzweiflung in den Gesichtern der Gäste. Beim Stand von 20:13 zog der Gästetrainer bereits sein zweites Timeout, doch auch in der Folge war kein Inntaler Kraut gewachsen gegen das Topscorer Duo Jordan-Wörner im Anzinger Angriff. Die Gäste warfen ihre hochgelobten Prinzipien mehr und mehr über Bord und nahmen sich hektische Abschlüsse, die die Anzinger dankend annahmen. Einzig Inntals Torhüter versprühte eine interessante Form der Motivation und sprintete nach Gegentoren mehrmals selbst mit dem Ball in der Hand zur Mittellinie, um den Anwurf für seine niedergeschlagenen Kollegen auszuführen. Anzings wahre Liebe war an diesem Tag so souverän, dass man sogar über zwei verworfene Siebenmeter und einzelne Fehlwürfe aus dem Feld lächelnd hinwegsehen konnte. So kam es, dass Captain Felix „Wiesel“ Wörner in den letzten Minuten sogar noch selbst an die Siebenmeterlinie trat und auch diese Aufgabe löste. Kurz vor Schluss, als sich die Gäste schon nach der Heimfahrt auf der A8 sehnten, setze er seiner Leistung noch die Krone auf. Nachdem er einen weiteren 7m herausgeholt hatte, ließ Wörner einen unnachahmlichen Schrei los, der sämtliche paarungswillige Wiesel im Ebersberger Forst aufhorchen ließ. Als er den folgenden Strafwurf gefühlvoll unter der Latte platzierte und sich beim Zurücklaufen entsprechend feiern ließ, war es auch um alle restlichen Zuschauer in der Halle geschehen. Raffi Finsterhölzl setzte Sekunden vor dem Ende noch den Schlusspunkt zum 36:18 und nach der Schlusssirene ließen sich alle Anzinger völlig verdient feiern.
Die Dritte befindet sich somit wieder auf dem ersten Tabellenplatz der Bezirksliga 2, während sich die Gäste mit 3:5 Punkten und Rang 6 begnügen müssen. In der kommenden Woche geht es für die Löwen weiter mit einem Landkreisderby beim TSV Grafing. Am Sonntag, den 01.11., wird das Spiel um 20 Uhr angeworfen und die Löwen freuen sich über jeden Fan, der den Feiertag gemeinsam mit Anzings wahrer Liebe ausklingen lassen möchte.
Spieler und Tore:
Schmid, Mögel (beide Tor); Wörner (9/2), May (5), Finsterhölzl (1), Mayer (6/1), Bergmann (1), Oellerer (1), Haas, Jordan (9), Harder (1), Lück (3)
Stimmen zum Spiel:
Jonas May: „Achso, man darf in der Überzahl auch auf Rechtsaußen spielen?“
Passant nahe der Löwenhöhle um ca. 18:30 Uhr: „Was war das denn für ein Schrei, hast du das auch gehört? Ist wohl wieder Brunftzeit gerade.“
Schlusswort auf der Website der Gäste: „HC Inntal setzt weiterhin den Standard für professionellen Handball in der Region.“